Forschungsprojekt ReduSys: Moderne, menschenzentrierte Technologien sollen Pflegkräfte effizient unterstützen.
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Bessere Pflege durch multimodale Systeme und RobotikWas Fachleute für digitales Bauen für eine bessere Patientenversorgung in der Pflege leisten können, zeigt ein aktuelles Forschungsprojekt, an dem Wissenschaftler*innen der OTH Regensburg beteiligt sind. Etwa durch die kontaktlose Messung von Vitalparametern wie Herz- und Atemfrequenz in einem mit Sensoren ausgestatteten, intelligenten Krankenhausbett. „Wir bringen hier modernste Technologien zum Einsatz – zum Wohle der Patientinnen und Patienten und zur Entlastung des Pflegepersonals“, sagt Prof. Dr.-Ing. Thomas Linner, der Projektleiter an der OTH Regensburg.
Freiräume für das Pflegepersonal schaffenReduSys (Kontaktreduzierte Pflege im klinischen Umfeld durch multimodale Systeme und Robotik) heißt das Forschungsprojekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 2,5 Millionen Euro gefördert wird. Ziel ist es, Patientenbetreuung und Pflegeumfeld zu verbessern – durch kontaktlose Vitalparametererfassung, digitale Pflegeassistenz und Robotik. „Wichtig ist, dass wir hier von menschzentrierter Technologie sprechen“, sagt Linner. Durch das Vermeiden ineffizienter Arbeitsabläufe soll das Pflegepersonal Freiräume bekommen für anspruchsvolle Tätigkeiten oder persönliche Interaktionen mit Patientinnen und Patienten.
Ein intelligentes PatientenbettAufgabe der Wissenschaftler*innen ist es, Technologien zu entwickeln, die die klinische Versorgung entlasten und eine sichere Pflege in Ausnahmesituationen ermöglichen. Dazu gehört zum Beispiel ein smartes Patientenbett. Unter und in der Matratze platzierte Sensorik kann Vibrationen erkennen und somit zum Beispiel Herz- und Atemfrequenz messen oder Aussagen zu Bewegungsabläufen ermöglichen. Die Entwicklung der dafür nötigen digitalen und modularen Technik ist Aufgabe des Teams um Prof. Thomas Linner.
Kompetezen im Bereich des digitalen BauensDazu gehört Marc Schmailzl, Doktorand und leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter. Er sagt: „Wir können die umfassenden Kompetenzen der
Fakultät Bauingenieurwesen im Bereich des digitalen Bauens voll einbringen.“ Die Systemlösungen können in einem 3D-modellierten, digitalen Gebäudemodell für verschiedenste Anwendungsfälle virtuell getestet werden. Am Ende stehe eine inklusive Gesamtlösung, die es möglich macht, in künftigen Pflegeumgebungen mit menschzentrierter Technologie nachhaltig besser arbeiten zu können. „So lassen sich Abläufe und Strukturen im Pflegezimmer optimieren“, ist Schmailzl überzeugt.
Entwicklung im neuen „Building Lab“ Entwickelt und unter Laborbedingungen verifiziert werden Teilkomponenten von ReduSys im neuen „
Building Lab“ auf dem Regensburger TechCampus. Das vom Bayerische Bauindustrieverband errichtete Innovationszentrum für die Digitalisierung des Bauens soll im Frühjahr 2023 eröffnet werden; die OTH Regensburg wird dort einer der Hauptmieter sein, genauer: der Fachbereich digitales Bauen der Fakultät Bauingenieurwesen. „Ebenso wie im Projekt ReduSys beschäftigten wir uns auch dort mit der digitalen Transformation zukünftiger, menschzentrierter High-Tech-Arbeits- und -Lebensumgebungen“, erläutert Linner. Auf vier Stockwerken gäbe es dann „alle für Planung, Produktion und Betrieb nachhaltiger Gebäude notwendigen digitalen Werkzeuge zu entdecken“. Building Information Modeling (BIM), parametrisches und generatives Design, Simulation, digitale Fertigung u.a. mit Robotik, Sensorik, Künstliche Intelligenz, Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR), BIM-to-Robot und noch mehr listet Schmailzl auf.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit vielen ProjektpartnernWie all diese Technologien unter Beachtung ethischer, sozialer und rechtlicher Fragen sinnvoll zusammenspielen können, das soll das Forschungsprojekt ReduSys zeigen. Möglich macht das Schmailzl zufolge vor allem die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den weiteren Projektpartnern. Verbundkoordinator ist die Technische Universität München. Weitere Partner sind die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, die Devanthro GmbH (Garching b. München) und die Cliniserve GmbH (München). Zur Anwendung kommen sollen die Forschungsergebnisse zunächst in der Schön Klinik Bad Aibling, welche ebenfalls Projektpartner ist. „Weil hier alle Partner ihr Know-how und ihre Erfahrungen gleichermaßen einbringen, dürfen wir uns auf wirklich anwendungsorientierte und praxisnahe Systemlösungen freuen“, so Linner und Schmailzl.
